Geigenbau-Meisterwerkstatt asymetrische Bratsche

Was ist eine Geige? Ein Streichinstrument mit Geschichte

Die Geige, in der musikalischen Fachsprache Violine genannt, ist ein europäisches Streichinstrument aus der Familie der Kastenhalslauten (Chordophone). Als Sopraninstrument bildet sie die höchste und agilste Stimme der klassischen Streicherfamilie, zu der auch die Bratsche (Viola), das Violoncello und der Kontrabass gehören. Die Bezeichnungen "Geige" (aus dem germanischen Sprachraum) und "Violine" (aus dem Italienischen violino, wörtlich „kleine Viola“) werden heute absolut synonym verwendet. Für Linkshänder gibt es spezielle Linkshändergeigen.

Der Aufbau der Geige: Anatomie und Materialien

Eine akustische Geige ist ein komplexes Meisterwerk der Handwerkskunst, das aus über 70 Einzelteilen zusammengesetzt wird. Sie besteht fast ausschließlich aus Holz und wird durch tierischen Leim (Glutinleim) zusammengehalten, was eine spätere Demontage zu Reparaturzwecken ermöglicht.

Das Herzstück ist der Korpus, der als Resonanzkörper dient. Er setzt sich aus der Decke, dem Boden und den verbindenden Zargen zusammen. Im Inneren der Geige befinden sich zwei für die Akustik essenzielle unsichtbare Bauteile: der Bassbalken und der Stimmstock (die "Seele" der Geige).

Die folgende Tabelle veranschaulicht die wichtigsten Bauteile und die traditionell dafür verwendeten Hölzer:

BauteilBeschreibung und FunktionTypisches Material
DeckeDie gewölbte Oberseite des Korpus. Sie überträgt die Schwingungen und besitzt die zwei charakteristischen F-Löcher.Fichtenholz (feinjährig, klangstark)
Boden & ZargenDie Rückseite und die Seitenwände des Korpus. Oft stark geflammt für die optische Ästhetik.Ahornholz (dicht und hart)
Hals & SchneckeDer Verlängerungsarm des Instruments, endend im Wirbelkasten und der dekorativen Schnecke.Ahornholz
GriffbrettDie Aufnahmefläche für die Finger zur Tonhöhenveränderung. Muss extrem abriebfest sein.Ebenholz oder Palisander (seltener eingefärbtes Hartholz)
StegEin ungeleimtes Holzelement, das auf der Decke steht, die Saiten hält und deren Schwingung auf den Korpus überträgt.Ahornholz
Wirbel & SaitenhalterDienen der Befestigung und dem Stimmen der Saiten.Ebenholz, Palisander oder Buchsbaum

Klangerzeugung und physikalische Grundlagen

Die Töne einer Geige entstehen durch das Streichen (seltener Zupfen, Pizzicato) der Saiten mit einem Bogen. Der moderne Geigenbogen besteht aus elastischem Pernambukholz und ist mit etwa 150 bis 200 Rosshaaren (meist vom Schweif weißer Hengste) bespannt.

Damit der Bogen die Saite in Schwingung versetzen kann, müssen die Haare mit Kolophonium (einem speziellen Baumharz) eingerieben werden. Dadurch entsteht der sogenannte Slip-Stick-Effekt (Haftgleiteffekt): Das Bogenhaar greift die Saite, zieht sie mit, bis die Spannung zu groß wird, die Saite schnellt zurück und wird sofort wieder gegriffen. Dieser Vorgang wiederholt sich mikroskopisch schnell und erzeugt eine stehende Welle (Helmholtz-Bewegung).

Die Schwingung der Saite wandert über den Steg auf die Fichtendecke. Im Inneren verteilt der Bassbalken die tiefen Frequenzen, während der Stimmstock (ein kleiner Holzstab zwischen Decke und Boden) die hohen Frequenzen an den Boden überträgt. Die daraus resultierende Luftschwingung im Korpus tritt schließlich durch die F-Löcher nach außen.

Stimmung und Tonumfang

Die Geige besitzt vier Saiten, die im Quintabstand gestimmt sind. In der klassischen Musik ist der Kammerton A (heute meist 440 Hz oder 442 Hz) der Referenzwert.

  1. Saite (höchste): e'' (E-Saite, oft aus massivem Stahl)
  2. Saite: a' (A-Saite, oft mit Aluminium umwickelter Kunststoff- oder Darmkern)
  3. Saite: d' (D-Saite, oft mit Silber oder Aluminium umwickelt)
  4. Saite (tiefste): g (G-Saite, meist mit Silber umwickelt)

Der Tonumfang der Geige ist enorm. Er reicht vom kleinen g (ca. 196 Hz) bis hinauf in extrem hohe Lagen (c'''' und höher), abhängig vom Können des Spielers.

Historischer Ursprung: Das Goldene Zeitalter des Geigenbaus

Die moderne Violine entstand im frühen 16. Jahrhundert in Norditalien. Zu den direkten Vorläufern zählen Instrumente wie die Fidel, der Rebec und die Lira da braccio. Das Zentrum des historischen Geigenbaus bildete die Stadt Cremona.

Hier begründete Andrea Amati um 1530 die erste große Geigenbaudynastie und entwickelte Form und Proportionen, die durch die Geschichte des Geigenbau hindurch bis heute umgesetzt werden. Ihre absolute Perfektion erreichte die Geige im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert durch legendäre Geigenbauer wie Antonio Stradivari und Giuseppe Guarneri del Gesù. Instrumente aus dieser Ära erzielen heute auf dem Weltmarkt Preise in Millionenhöhe und gelten klanglich noch immer als unübertroffen.

Die Rolle der Geige in der Musik

Die Geige ist eines der vielseitigsten Instrumente der Musikgeschichte. Im Sinfonieorchester stellt sie die größte Instrumentengruppe (unterteilt in Erste und Zweite Violinen) und trägt meist die Hauptmelodie. Auch in der Kammermusik, insbesondere im Streichquartett, ist sie federführend. Neben der klassischen Musik hat sich die Geige (oft als Fiddle bezeichnet) fest in der Folk-Musik (Irish Folk, Bluegrass), im Jazz (z. B. durch Stéphane Grappelli) und in modernen Pop- und Crossover-Produktionen etabliert.

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