Was ist eine Bratsche? Besonderheiten, Klang & Tradition?
Die Bratsche, in der musikalischen Fachsprache und international überwiegend als Viola bezeichnet, ist ein Streichinstrument aus der Familie der Violinen. Sie bildet das klangliche und harmonische Bindeglied zwischen der höheren Violine (Geige) und dem tieferen Violoncello. Aufgrund ihrer spezifischen Bauweise, ihrer tieferen Stimmung und ihres charakteristischen Timbres nimmt sie im Orchester sowie in der Kammermusik eine unverzichtbare Rolle ein.
Etymologie: Woher stammt der Name „Bratsche“?
Der deutsche Begriff „Bratsche“ leitet sich historisch aus dem Italienischen ab. In der Renaissance und im Barock wurde grundlegend zwischen zwei Arten von Streichinstrumenten unterschieden:
- Viola da gamba: Die „Bein-Viola“ (Instrumente, die zwischen oder auf den Beinen gehalten wurden, Vorläufer der Gamben-Familie).
- Viola da braccio: Die „Arm-Viola“ (Instrumente, die auf dem Arm bzw. der Schulter gespielt wurden).
Aus dem italienischen Wort braccio (Arm) entwickelte sich im deutschsprachigen Raum durch phonetische Anpassung das Wort „Bratsche“.
Stimmung, Tonumfang und Notenschlüssel
Im Gegensatz zur Geige ist die Bratsche eine exakte Quinte tiefer gestimmt. Die vier Saiten der Bratsche sind auf die Töne c – g – d’ – a’ gestimmt. Diese Stimmung entspricht exakt der des Violoncellos, liegt jedoch genau eine Oktave höher.
Frequenzen der Leersaiten (bei a' = 440 Hz):
- C-Saite: ca. 130,8 Hz
- G-Saite: ca. 196,0 Hz
- D-Saite: ca. 293,7 Hz
- A-Saite: ca. 440,0 Hz
Aufgrund dieser tieferen Tonlage wird Musik für die Bratsche standardmäßig nicht im Violinschlüssel (G-Schlüssel), sondern im Altschlüssel (einem C-Schlüssel) notiert. Bei diesem Schlüssel markiert die mittlere Linie des Notensystems das eingestrichene c (c’). Nur für sehr hohe Passagen wechseln Komponisten in den Violinschlüssel, um zu viele Hilfslinien zu vermeiden.
Physikalische Besonderheiten und akustischer Kompromiss
Ein faszinierender Aspekt der Bratsche ist ihre Bauweise, die einen akustischen Kompromiss darstellt. Streng nach den Gesetzen der Akustik müsste der Korpus einer Bratsche – da sie eine Quinte tiefer klingt als die Geige – in einem exakten Verhältnis von 3:2 größer sein als der einer Violine. Das würde eine Korpuslänge von etwa 53 Zentimetern bedeuten. Ein solches Instrument ließe sich jedoch nicht mehr auf der Schulter spielen.
Daher variiert die tatsächliche Korpuslänge einer Bratsche meist zwischen 38 und 43 Zentimetern (im Vergleich zu ca. 35,5 cm bei einer 4/4-Geige). Da der Resonanzkörper im Verhältnis zur tiefen Stimmung eigentlich zu klein ist, entsteht der unverwechselbare, leicht nasale, warme und dunkle Klang der Bratsche, der oft als melancholisch beschrieben wird.
Direkter Vergleich: Geige vs. Bratsche
| Eigenschaft | Violine (Geige) | Viola (Bratsche) |
|---|---|---|
| Saitenstimmung | g – d’ – a’ – e’’ | c – g – d’ – a’ |
| Korpuslänge | ca. 35,5 cm | 38,0 cm bis ca. 43,0 cm (selten bis 46 cm) |
| Notenschlüssel | Violinschlüssel | Altschlüssel (gelegentlich Violinschlüssel) |
| Klangfarbe | Hell, brillant, durchdringend | Dunkel, warm, voll, leicht nasal |
| Rolle (meist) | Melodieführung (Sopran) | Harmonieführung (Alt/Tenor) |
Die Rolle in Orchester und Kammermusik
Im klassischen Sinfonieorchester sitzen die Bratschen meist im Zentrum des Klangkörpers. Sie bilden das Rückgrat der Streicher und füllen den harmonischen Raum zwischen den Celli und den zweiten Geigen. Im Streichquartett, der Königsdisziplin der Kammermusik, übernimmt die Bratsche die Mittelstimme und fungiert oft als rhythmischer und harmonischer Motor.
Bekannte Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven spielten selbst bevorzugt Bratsche, wenn sie in Ensembles musizierten, da sie aus dieser mittleren Position heraus die Architektur und Harmonie der gesamten Komposition am besten steuern konnten.
Instrumentenbau und lokale Verankerung in Deutschland
Deutschland blickt auf eine jahrhundertelange Tradition im Instrumentenbau zurück. Während historische Zentren wie Mittenwald in Bayern oder Markneukirchen im Vogtland weltweit für ihre meisterhaften Bratschen und Geigen bekannt sind, wird die musikalische Tradition auch regional stark gefördert.
Ob in der Ausbildung an renommierten Musikhochschulen, beim Instrumentenbauer vor Ort oder im täglichen Einsatz bei Orchestern wie der Norddeutschen Philharmonie Rostock oder den großen Ensembles in Hamburg und Berlin – die Bratsche ist ein essenzieller Bestandteil der nord- und gesamtdeutschen Kulturlandschaft. Wer heute eine Bratsche kauft oder mietet, profitiert von einem dichten Netz an hochqualifizierten Geigenbaumeistern und Musikschulen, die den Zugang zu diesem anspruchsvollen Instrument auch regional auf höchstem Niveau gewährleisten.
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