Die Geigenbaumeisterin Christine Steidler
Schon als Siebenjährige entdeckte Christine Steidler die Geige für sich. Der Weg in das traditionelle Handwerk des Geigenbaus war jedoch kein theoretischer Karriereplan, sondern Berufung und entsprang auch einer glücklichen Fügung. Als junge Musikerin suchte sie wegen störender Schnarrgeräusche an ihrem Instrument einen Geigenbauer auf. Um das akustische Problem zu demonstrieren, spielte sie ihm vor. Die Reaktion des Meisters war wegweisend: „Mädchen, du solltest Geigenbauerin werden!“ Dieser Satz legte den Grundstein für eine bemerkenswerte Laufbahn. Wer den Klang von Kindheit an im Gehör hat, bringt für den Bau von Streichinstrumenten die besten essenziellen Voraussetzungen mit – diese Gedanken bewegten den alten Meister zu seinen Worten. Fortan verband sich für Christine Steidler alles, was sie beruflich antreibt: Handwerk, Kunst, physikalische Akustik und Musik.
Fundierte Ausbildung im Zentrum des Instrumentenbaus
Um diese Berufung auf ein solides, fachliches Fundament zu stellen, zog es Christine Steidler 1998 in den sogenannten „Musikwinkel“ im Vogtland – das historische und international anerkannte Zentrum des deutschen Instrumentenbaus. Am Berufsschulzentrum für Technik A. F. Zürner in Klingenthal absolvierte sie erfolgreich ihre dreijährige Ausbildung zur Geigenbauerin (Gesellin).
Das Erlernen der reinen handwerklichen Tradition reichte ihr jedoch nicht aus. Ihr Ziel war es, die komplexen akustischen und physikalischen Prinzipien der Resonanzkörper tiefer zu durchdringen. Daher schloss sie von 2001 bis 2005 ein Studium an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (Angewandte Kunst Schneeberg, Außenstelle Markneukirchen) im Bereich Musikinstrumentenbau an. Dieses akademische Studium schloss sie mit Auszeichnung als Diplom-Designerin für Streichinstrumentenbau (FH) ab. Gleichzeitig nutzte sie die Möglichkeit der Meisterausbildung unter der fachlichen Betreuung des international renommierten damaligen Innungsobermeisters Eckart Richter, sowie den ebenfalls sehr anerkannten Geigenbaumeistern Reinhard Bönsch und Haiko Seifert. Während ihrer Ausbildung absolvierte sie Praktika bei den auch international sehr geschätzten Geigenbaumeistern Sven Gerbeth und Reinhard Bönsch und eignete sich so wichtige Impulse und wertvolles Know-How für den praktischen Arbeitsalltag in einer Geigenbaumeisterwerkstatt an.
Im Jahr 2005 schloss sie mit Bravour die Ausbildung zur Meisterin ab und trägt seitdem auch den offiziellen Titel: Geigenbaumeisterin.
Ausgezeichnete Handwerkskunst: Landes- und Bundessiegerin
Dass Christine Steidler ihr Handwerk nicht nur routiniert ausübt, sondern diesen Beruf auch lebt, stellte sie bereits früh in ihrer Karriere eindrucksvoll unter Beweis. Im renommierten Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (heute bekannt unter „Deutsche Meisterschaft im Handwerk“) trat sie nach dem Abschluss ihrer Gesellenausbildung gegen die besten Nachwuchskräfte ihres Jahrgangs an – und überzeugte die Fachjury auf ganzer Linie.
Zunächst sicherte sie sich mit ihrer herausragenden praktischen Arbeit den Titel der Landessiegerin. Mit diesem Erfolg qualifizierte sie sich für den Bundeswettbewerb, bei dem es sich gegen die stärkste Konkurrenz aus dem gesamten Bundesgebiet durchzusetzen gilt. Dort wurde sie schließlich als Bundessiegerin der Handwerksauszubildenden im Geigenbau ausgezeichnet.
Was bedeutet dieser Sieg für ihre Kunden? Ein solcher Doppelsieg auf Landes- und Bundesebene ist weit mehr als eine formelle Urkunde. Er ist der seltene, objektive Beleg für außergewöhnliches handwerkliches Talent, absolute Präzision in der Holzverarbeitung und ein millimetergenaues Auge für Details. Der Leistungswettbewerb des Handwerks prüft unter enormem Zeitdruck und nach strengsten Maßstäben. Wer hier als Bundessieger hervorgeht, gehört zur absoluten Elite seines Fachs. Für Musiker bedeutet dies die beruhigende Sicherheit, dass ihr wertvolles Instrument in den Händen einer Meisterin liegt, deren herausragendes Geschick auf höchster nationaler Ebene geprüft und prämiert wurde.
Forschung, Innovation und die asymmetrische Viola
Ein Alleinstellungsmerkmal der Arbeit von Christine Steidler ist die konsequente Verbindung von klassischem Geigenbau und innovativer Klangforschung. Streichinstrumente existieren seit Jahrhunderten, doch ihre komplexen Klangsysteme bieten weiterhin Raum für wissenschaftliche und handwerkliche Optimierungen, um das akustische Potenzial für den Spieler noch besser nutzbar zu machen.
Ein herausragendes Beispiel ihres Innovationsgeistes ist die Entwicklung einer asymmetrischen Viola. Diese Bratsche wurde auf der mathematischen Grundlage des Goldenen Schnittes und akustisch-physikalischen Erkenntnissen konstruiert, um klassischen Haltungs- und Spielschäden bei Musikern vorzubeugen. Durch die spezielle Formgebung verlängert sich die schwingende Länge des Korpus, während die Spielmensur der einer kleinen Bratsche entspricht und sich zusätzlich der Schwerpunkt des Instruments in Richtung des Spielers verschiebt. Das Instrument gewinnt an Leichtigkeit in der Ansprache und reduziert die Belastung auf den Bewegungsapparat – ein enormer Vorteil insbesondere für Musiker mit kleinerer Statur oder für Orchestermusiker in stundenlangen Proben. Mit dieser innovativen Entwicklung stellte sie unter Beweis, dass sie drängende, physische Probleme von Berufsmusikern (in dem Fall Bratschisten) durch kluges angewandtes Design und akustisches Verständnis lösen kann.
Vom Vogtland nach Rostock
Nach ihren Ausbildungs- und Studienjahren in Sachsen zog es Christine Steidler mit ihrer Familie an die Ostseeküste nach Mecklenburg-Vorpommern. Viele Jahre betrieb sie ihre eigene Werkstatt im beschaulichen Alexandrinenhof in Bad Doberan, wo sie sich schnell einen erstklassigen Ruf aufbaute.
Seit dem Jahr 2020 befindet sich die „Geigenbau-Meisterwerkstatt Ch. Steidler“ in der Ulrich-von-Hutten-Straße 32 in Rostock (Reutershagen). Hier profitieren Musiker aus der gesamten norddeutschen Region von ihrer über 20-jährigen Berufserfahrung.
Leistungsspektrum in der Hansestadt Rostock
In ihrer Werkstatt deckt sie das gesamte Spektrum des anspruchsvollen Meisterhandwerks ab:
- Meisterlicher Neubau: Fertigung von hochwertigen Geigen und Bratschen aus erlesenen Tonhölzern in traditioneller Handarbeit. Die Instrumente zeichnen sich durch herausragende Klangeigenschaften und leichte Spielbarkeit aus.
- Reparatur & Restaurierung: Vom Schließen feiner Risse bis zur komplexen Generalüberholung. Jedes Instrument wird mit größter fachlicher Sorgfalt behandelt.
- Vermietung: Bereitstellung von hochwertigen Mietinstrumenten (Geige, Viola, Cello) zu fairen Konditionen, gepaart mit professioneller Betreuung für Schüler und Einsteiger.
- Verkauf & Zubehör: Eine sorgfältige Auswahl an Bögen, Etuis und klangoptimierten Instrumenten für jeden musikalischen Anspruch.
Die Musikerin an der Werkbank
Christine Steidler baut und repariert Instrumente nicht nur, sie spielt sie auch aktiv. Als Geigerin und Bratschistin im Kammerorchester des Konservatoriums Rostock und diversen Projekt-Orchestern kennt sie die Bedürfnisse, Sorgen und hohen Ansprüche von Streichern aus erster Hand – egal ob es sich um Neueinsteiger, ambitionierte Liebhaber oder professionelle Orchestermusiker handelt. Diese wertvolle Doppelperspektive als Meisterin an der Werkbank und Musikerin am Pult garantiert ihren Kunden, dass jedes Instrument die Werkstatt nicht nur handwerklich makellos, sondern auch perfekt klangoptimiert und für jeden Anspruch eingestellt verlässt.
Werdegang & Qualifikationen
- seit KindheitAktive Geigerin und Bratschistin, heute im Kammerorchester des Konservatoriums zu Rostock
- 1998 – 2001Ausbildung zur Geigenbauerin (Gesellin)
- 2001Landes- und Bundessiegerin im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (Geigenbau)
- 2001 – 2005Studium mit Abschluss: Diplom-Designerin für Streichinstrumentenbau (FH)
- 2005Abschluss als Geigenbaumeisterin
- 2006Gründung der Geigenbaumeisterwerkstatt
- 2007Umzug der Geigenbaumeisterwerkstatt vom Vogtland an die Ostsee
- seit über 20 JahrenGeigenbau-Meisterwerkstatt Ch. Steidler in Rostock / Bad Doberan